Von der Regenhose zum Ingwertee
Der arme Blog – ganz verwaist. Inzwischen habe ich ein weiteres Freinet-Regionaltreffen gehabt, dieses Mal in Speyer, mich brav um die letzten nötigen Klassenarbeiten, Berichte und Zeugnisse gekümmert – und dann waren wir noch im Freilichttheater. Der Lichtblick dabei war, dass das Stück superschön inszeniert war: Die kleine Hexe von Otfried Preußler. Wunderschöne Kulisse und Kostüme/Masken. Wen kümmert da, dass es schüttete – nein – SCHÜTTETE. Es war, glaube ich, ein hysterisches Lachen, das ich da hatte, als wir eine halbe Stunde im strömenden Regen saßen, bzw. in die Plastikplanen gehüllt, die das Theater netterweise zur Verfügung stellte. Aber die Vorstellung wurde nicht abgesagt, denn es solle bald aufhören zu regnen, dann werde man spielen. Na gut. Es war dann auch so. Und zum Applaus fing es pünktlich wieder zu regnen an (nur regnen, nicht schütten). Daneben noch einige Schwierigkeiten mit einem Kind und eines, das sich auf den letzten Metern der Fahrt zurück noch direkt vor mir übergibt. Ich finde heldenhaft, dass ich den Artikel für den Schuljahresbericht so positiv geschrieben habe… Zumal ich krank zuhause herumhänge, Ingwertee trinke und huste.
AABER morgen hab ich Ausgang, Hospitation bei der Pattonville-Grundschule in Ludwigsburg ist angesagt. Meine allernächsten freinetischen Nachbarn. Ich freue mich schon sehr. Das hätte ich wirklich sehr ungern abgesagt, hust hust…
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Im Eiscafé
Gestern haben wir jeweils zu zweit oder dritt Eiskarten gestaltet. Die Kinder haben sich überlegt, wie ihr Eiscafé heißen soll, was sie an Eis, anderen Speisen und Getränken anbieten, welche Preise realistisch sind… Heute haben sie dann Dekomaterial, Schürzen und Geldbeutel mitgebracht. Das Spielgeld stellte ich. Und dann wurde Eis gekauft und verkauft. Ich habe einen Früchtebecher, zwei Sekt, ein Bier und eine Eisbombe erstanden und trotzdem kein Bauchweh…
Witzig war, dass die Cafés in den Wettbewerb einstiegen und die Eigentümer begannen, an der Tafel Werbung zu machen und Sonderangebote anzubieten. Außerdem gab es gewiefte Kunden, die die Preise der einzelnen Cafés verglichen und ihre Kaufentscheidungen entsprechend trafen…
Einziger Nachteil: Es war ganz schön laut. Wie schafft man es, solche Rollenspiele leiser zu gestalten? Denn sonst sind sie einfach nur wertvoll…
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Projektplanung
Gestern haben wir für die Projektwoche geplant. Wir werden, zum schulischen Rahmenthema “Entdecken – Erfinden – Experimentieren” passend, uns dem Antrieb widmen. Gestern haben sich jetzt Gruppen zusammengefunden, die Teilthemen bearbeiten werden. Dazu habe ich den Kindern aufgegeben, sich eine Forschungsfrage zu stellen, die sie mit dem Projekt beantworten wollen. Manchen fiel das leichter, andere taten sich schwer. Jetzt haben wir folgende Fragen:
Wie funktioniert ein Fahrrad?
Wie fahren verschiedene Boote auf dem Wasser?
Wie funktioniert ein Auto?
Wie funktioniert ein Hubschrauber?
Und noch zwei, auf die ich gerade nicht komme. So weit, so gut.
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Heute wurde in unserer Werkstatt Teil 2 von “Ich baue ein Erzähltheater” gespielt… Es war eine schöne Abwechslung zum Aufsatz und Relitest korrigieren, Mathe- und Englischarbeit konzipieren, Schulberichte schreiben, zum Projektwoche und Schulfest vorbereiten. Zzzzz. Es ist mal wieder die heiße Phase im Schuljahr.
Für alle kamishibaiwütigen Leser: Ein Super-Angebot gibt es auch von der Schülerfirma Woodworker. Total erschwinglich und praktikabel gemacht.
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Von Affen und Träumen
Eine eindrückliche Studie ist es, von der ich gerade gelesen habe. Zitiert werden Gary Hamel und C.K. Prahalad von John Maxwell in “Put your dream to the test: 10 questions that will help you see it and seize it”. Es geht um ein Experiment mit einer Gruppe von Affen. Vier Affen wurden in einen Raum gebracht, in dem es in der Mitte eine hohe Säule gab, an deren oberem Ende ein Bündel Bananen angebracht waren. Einer der Affen begann, die Säule hochzuklettern, aber just in dem Moment, als er nach den Bananen griff, überschüttete der Versuchsleiter ihn mit kaltem Wasser. So gab er auf. Alle anderen aus der Gruppe machten den Versuch und die gleiche Erfahrung einer kalten Dusche. So gaben sie schließlich auf. Nun ersetzten die Forscher einen der Affen mit einem neuen. Als dieser begann, die Säule hochzuklettern, zogen die anderen ihn herunter. Nachdem sich dies einige Male wiederholt hatte, gab auch er auf. In Folge wurden peu à peu alle Affen ersetzt durch einen neuen Artgenossen, bis keiner der ursprünglichen Affen mehr im Raum war. Es war also keiner mehr dabei, der die Erfahrung einer kalten Dusche gemacht hatte, dennoch kletterte keiner die Säule zu den Bananen hoch bzw. alle hinderten Neulinge daran, dies zu tun – ohne die leiseste Ahnung, warum…
Die Geschichte bewegt mich. Denn manchmal ist es unter uns Lehrern doch auch so, oder? Aber wir müssen keine traumfreie Zone bleiben…
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Dichterlesung
Dichterlesungen gibt es sicher zuhauf an Grundschulen im Land. Ich hab für unsere bei der Kinderschule Oberhavel abgeguckt. Die Oranienburger wiederum hatten die Idee von der Grundschule Harmonie in Eitorf. Zwei dritte Klassen haben neben meiner vierten beim ersten Mal jetzt mitgemacht. Die Kinder haben frei geschrieben und – so sie Lust und Selbstbewusstsein hatten – ihre Texte für die Lesung angemeldet. Dann ging es eventuell in eine Überarbeitungsrunde und es wurde vielleicht auch noch am Vorlesen gefeilt. Ein Tisch wurde mit roter Samtdecke und eleganter Kerze geschmückt, so dass die Dichter einen würdigen Rahmen in der Aula hatten. Zwei Kinder hatten tolle Geschichten geschrieben, aber Bammel davor, sie selbst vorzulesen. Aber sie haben sich überwunden und sind wahrscheinlich 5 cm dabei gewachsen. Ein Junge hat ein superschönes Gedicht über drei kleine Marienkäfer geschrieben, ein anderer ein tolles Elfchen über ein Fußballspiel im Hoffenheimer Stadion. Besonderen Anklang fand “Die Geschichte von Räuber Zahnlack”, in der die Gerechtigkeit siegt, als ein Dorf sich mit vereinten Kräften gegen den Banditen wehrt. 20 Minuten war es im Publikum mucksmäuschenstill, wenn man mal vom Applaus absieht. Und hinterher erklärte mir ein Mädchen, sie werde nächstes Mal wohl auch etwas vorlesen wollen. Na bitte. Ziel erreicht.
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TED talks – dahinter verbergen sich maximal 18 min lange Vorträge über neue Entwicklungen in Technologie, Unterhaltung und Design, gehalten bei TED Konferenzen, von Leuten mit guten Ideen. So fing es jedenfalls einmal damit an. Mittlerweile gibt es auch TED talks über Bildung und ich schau ab und an etwas davon. Heute war’s Jonathan Drori. Zu Beginn stellt er vier Fragen, die er auch schon Graduate School Absolventen und 7-jährigen Kindern gegeben hat. In der Regel schneiden die Kinder etwas besser ab als die Erwachsenen…
Wenn ein Baum aus einem Samenkorn entsteht, woher kommt dann die große Menge Holz, die später daraus wird? Woher kommt die Masse?
85% tippen auf den Boden. Tatsächlich ist es die Luft.
Oder:
Warum ist es im Sommer heißer als im Winter?
Es hat nichts mit einer Ellipse zu tun…
Außerdem stellt er fest, dass Kinder Magnetismus und Schwerkraft besser verstehen, bevor sie Unterricht darüber erhalten haben, als danach. Schade, dass man die Arbeiten danach schreibt…
Mehr verrat ich nicht… Hier geht’s lang zum Video.
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Projekt Antrieb
Heieiei, da handelt man sich etwas ein, wenn man im Klassenrat bespricht, was man denn an den Projekttagen für ein Projekt in Angriff nehmen könnte. Zuerst wurden zum Rahmenthema der Projekttage “Entdecken – Erfinden – Experimentieren” zahlreiche Versuche mit Wow-Effekt genannt, die man beim Schulfest in Szene setzen könnte. DER Kick nach Meinung aller: Cola und Mentos – beides in rauen Mengen – bringt eine Riesenfontäne und bockt echt…
Nachdem ich darauf hinwies, dass wir ja ein THEMA bräuchten, nicht nur einzelne Versuche, bei denen eh schon klar ist, was passiert – brachte einer, total gewieft und wie ein Werbeprofi sein Wunschthema “Antrieb” ins Gespräch. Meine Referendarin und ich, wir schauten uns achselzuckend an und sagten, wenn die Kinder daran arbeiten wollten, dann wären wir alle im gleichen Boot, auf uns als Experten könnten sie nicht hoffen…
(Das ist ja eher ein Pro-Argument für das Thema…)
Auf jeden Fall: Die überwältigende Mehrheit findet “Antrieb” gut als Thema und will zu Wind-Wasser-Solar etc. forschen. Wir werden das jetzt also mal weiterverfolgen. Man darf gespannt sein.
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Nochmal Franz Hohler
Nach “Der große Zwerg” wollte ich doch mal etwas von Franz Hohler für Erwachsene kennen lernen. Gegoogelt und erworben wurde: Vom richtigen Gebrauch der Zeit. Gedichte. Mag ich den Hohler, weil er aus Biel kommt und das bei mir heimatliche Gefühle weckt? Weil ich dort drei schöne Monate verbracht habe? Sei’s drum. Eine kleine Kostprobe – die rein gar nichts mit der Schule zu tun hat.
Spruch
Ganz der alte
sagen die Leute
wenn einer so ist
wie als er jung war.
Schadenmeldung
Wegen des Streiks
in Deutschland
wurden sämtliche 800 Flüge
von und nach Frankfurt
annulliert.
Der angerichtete Schaden
für die Gesellschaften
so ist zu hören
bewege sich
in Millionenhöhe.
Wie hoch ist denn wohl
der Schaden
an einem Tag
an welchem sie fliegen
die 800 Vögel?
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… So das Motto unserer Projekttage in diesem Jahr. 3 Tage vorm Schulfest. Leider nicht jahrgangsgemischt und ohne Wahlmöglichkeit für die Kinder. Gestern im Klassenrat haben wir kurz darüber gesprochen und jeder ging mit der Hausaufgabe nach Hause, sich zu überlegen, was wir machen könnten. Ich bin mal gespannt.
Und – gestern zeigte ich einer befreundeten Kollegin zudem die Filme “Wir entscheiden was und wie und wann” und “Den Kindern das Wort geben … von Anfang an” – sehr empfehlenswert übrigens. Darin geht es um die Pädagogik der PrinzHöfte-Schule und der PrinzHöfte-Kindertagesstätte, in der systemisches Denken und Freinetpädagogik kombiniert ein überlegtes Konzept und einen bunten Alltag ergeben. Lutz Wendeler, der damalige Schulleiter, spricht darin davon, dass selbstorganisiertes Lernen wunderschön wirkt, wenn es gekonnt ist – aber um dahin zu kommen, ist viel, wie er sich ausdrückt, “schmutzige Arbeit” nötig – was ich nur bestätigen kann. Gruppen kommen nicht miteinander klar, Abmachungen werden nicht eingehalten, im Klassenrat wird gelabert oder von anderen ausdauernd geschwiegen, all so was. Aaaber, trotzdem passiert viel mehr Wertvolles, wenn die Kinder selbstorganisiert lernen, als wenn wir klassisch mit Buch und Heft, mit Einführung – Übung – Ergebnissicherung im 45-Minutentakt im Gleichschritt und passender Hausaufgabe arbeiten. Dieser Unterricht langweilt die meisten Kinder meiner Klasse zu weiten Teilen und sie machen nur oberflächlich mit, wenn sie nicht den Arbeitsbeginn noch ein wenig herauszögern, zwischenhinein ein Pläuschchen mit ihren Gruppentischkollegen halten und ihre Lustlosigkeit sich in ihrem Hefteintrag ablesen lässt. Was mich dann wieder erbost, mich meinen Humor verlieren lässt – und zack sind wir in einer ganz dummen Spirale von Druck und Gegendruck. Nee, da lob ich mir die Probleme der Forscherstunden.
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